🇺🇸 Calls vs. 🇩🇪 Scheine: Warum du bei Trade Republic keine echten „Calls“ kaufst (und wie du trotzdem zum Mond fliegst)
„Wo ist der verdammte $800 Call auf NVIDIA?!“ – Ein Rant und ein Tutorial
Moin Affenbande, Alex wieder am Start!
Letztens scrolle ich so durch r/wallstreetbets, sehe einen Typen, der mit NVIDIA Calls innerhalb von zwei Stunden seinen Jahreslohn gemacht hat, und denke mir: „Geil, das mach ich auch!“ Ich öffne Trade Republic (oder Scalable, ist ja fast das gleiche Spiel), suche nach NVIDIA, gehe auf „Derivate“ und… Bahnhof.
Da stehen Sachen wie „Knock-Out“, „Faktor-Zertifikat“ und „Optionsschein“. Aber wo zur Hölle ist der simple Call mit Strike $200 und Expiration nächsten Freitag?
Willkommen in der wunderbaren Welt des deutschen Derivate-Dschungels. Wenn du dich schon immer gefragt hast, warum du die Trades der Amis nicht 1:1 nachbauen kannst, dann ist dieser Artikel dein Lebensretter. Heute klären wir den ewigen Kampf: Echte Optionen (USA) vs. Optionsscheine/Zertifikate (Deutschland).
Schnall dich an, es wird ein bisschen technisch, aber ich erklär’s so, dass es auch ein Glatthirn versteht. 🧠🚫
Der große Bluff: „Call“ ist nicht gleich „Call“
Wenn ein Ami auf Reddit sagt „I bought a Call“, meint er eine standardisierte Option. Wenn du bei deinem deutschen Neobroker auf „Call“ klickst, kaufst du meistens einen Optionsschein (Warrant). Das klingt ähnlich, ist aber so unterschiedlich wie ein Ferrari und ein Fiat Multipla. Beide fahren, aber das Erlebnis (und das Risiko) ist anders.
1. Echte Optionen (Das Zeug aus den Filmen) 🇺🇸
Das handeln die Profis und die US-Affen.
- Der Dealer: Du handelst an einer Börse (z.B. CBOE). Dein Gegenüber ist irgendein anderer Marktteilnehmer (könnte ich sein, könnte ein Hedgefonds sein).
- Der Preis: Wird rein durch Angebot und Nachfrage bestimmt.
- Das Besondere: Du kannst Optionen nicht nur kaufen, sondern auch verkaufen (Stillhalter). Das heißt, du kannst die Rolle der Bank einnehmen und Prämien kassieren (Theta Gang, anyone?).
- Das Risiko: Kein Emittentenrisiko. Wenn dein Gegenüber pleite geht, regelt das die Clearingstelle (Börse).
2. Optionsscheine & Zertifikate (Die deutsche „Spezialität“) 🇩🇪
Das kriegen wir bei Trade Republic, Scalable & Co.
- Der Dealer: Du handelst fast immer direkt mit einer Bank (dem Emittenten, z.B. HSBC, Société Générale, Citi).
- Der Preis: Die Bank stellt die Kurse. Natürlich orientieren die sich am Markt, aber die Bank will ja auch was verdienen. Manchmal fühlt sich die Preisstellung etwas… kreativ an (gerade wenn es wild wird).
- Das Besondere: Du kannst sie nur kaufen. Du kannst nicht „shorten“ oder „schreiben“.
- Das Risiko: Emittentenrisiko! Wenn die Bank pleite geht (erinnert sich noch wer an Lehman Brothers?), ist dein Schein wertlos. Egal wo die Aktie steht.
Merke: Optionsscheine sind Bankprodukte. Echte Optionen sind Marktprodukte.
Die Waffen deiner Wahl: Optionsscheine vs. Knock-Outs
Da wir in Deutschland oft auf die Bankprodukte angewiesen sind (außer du gehst zu einem Profi-Broker wie IBKR, siehe letzter Artikel), müssen wir wissen, wie wir sie nutzen.
Optionsscheine (Die „Gemütlichen“) 🐢
Sie funktionieren ähnlich wie echte Optionen. Sie haben einen Basispreis (Strike) und ein Laufzeitende.
- Vorteil: Du kannst nicht sofort ausgeknockt werden, wenn der Kurs mal kurz dippt.
- Nachteil: Die Volatilität (Vola) und der Zeitwertverlust (Theta) fressen dich auf. Wenn die Aktie sich nicht bewegt, verliert dein Schein jeden Tag an Wert.
- Alex‘ Erfahrung: Ich kaufe die nur, wenn ich langfristig (Monate) auf einen Trend setze, z.B. „Rheinmetall wird im nächsten halben Jahr steigen“.
Knock-Out Zertifikate (Die „Aggressiven“) 🥊
Hier wird es schmutzig. Auch bekannt als Turbos.
- Funktionsweise: Es gibt eine Knock-Out-Schwelle. Berührt der Kurs diese Schwelle (auch nur für eine Millisekunde!), ist das Ding wertlos. Puff. Weg. Geld weg.
- Vorteil: Der Preis ist sehr transparent. Es gibt kaum Einfluss durch Volatilität („Vola-Crush“). Der Hebel ist oft brutal hoch.
- Nachteil: Das Totalverlust-Risiko ist extrem hoch. Ein kleiner Dip am Morgen und du bist raus.
- Alex‘ Erfahrung: Perfekt für Daytrading. Wenn Nvidida gerade pumpt und ich für 2 Stunden auf den Zug aufspringen will -> Knock-Out. Aber niemals Geld reinstecken, das du morgen für Miete brauchst!
🤓 Deep Dive: Die „Griechen“ (The Greeks) für Dummies
Egal was du kaufst, du musst diese drei Begriffe kennen, sonst zocken dich die Emittenten ab.
- Delta (Δ): Sagt dir, wie stark dein Schein steigt, wenn die Aktie um 1 Euro steigt. Ein Delta von 0,5 heißt: Aktie +1€ -> Schein +0,50€.
- Theta (Θ): Der Endgegner. Das ist der Zeitwertverlust. Es sagt dir, wie viel Cent dein Schein jeden Tag verliert, einfach nur weil die Zeit vergeht. Optionsscheine haben hohes Theta. Knock-Outs haben fast keins (dafür die KO-Schwelle).
- Vega (ν): Die Volatilität. Wenn alle Panik haben, steigt die Vola. Optionsscheine werden dann teurer (gut wenn du sie schon hast, schlecht wenn du jetzt kaufen willst).
Was soll ich jetzt handeln?
Wenn du schnell und schmutzig zocken willst und genau weißt, wo dein Stop-Loss ist: Knock-Out Zertifikate. Sie sind ehrlich und direkt. Entweder du gewinnst oder du bist tot.
Wenn du auf eine größere Bewegung über ein paar Wochen spekulierst (z.B. Earnings bei Palantir): Optionsscheine. Aber achte auf das Aufgeld und kauf nicht zu weit „aus dem Geld“ (Out of the Money).
Und wenn du wirklich professionell traden willst wie die großen Jungs auf der Wall Street… tja, dann musst du wohl doch den Broker wechseln und echte Optionen handeln. Aber für den schnellen Kick in der Mittagspause reicht die Trade Republic App allemal. 😉
Welches Team bist du? Team Turbo oder Team Optionsschein? Hau mal deine größten Wins (oder Fails) in die Kommentare!
Disclaimer: Wie immer – keine Anlageberatung. Ich bin nur ein Typ im Internet. Hebelprodukte können zum Totalverlust führen. Pass auf dein Geld auf!
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