Warum hohes Short Interest nicht automatisch einen Short Squeeze bedeutet

Veröffentlicht am 8. Januar 2026 | WSB Blog

Wenn man lange genug bei WallStreetBets unterwegs ist, sieht man ihn ständig:
den einen Satz, der unter jedem zweiten Post steht.
„Short Interest ist hoch – SQUEEZE INCOMING 🚀“

Ich habe das selbst lange geglaubt.
Hoher Short Interest = Rakete.
So einfach.
So falsch.
Irgendwann musste ich mir eingestehen: Ein Short Squeeze ist kein Automatismus, sondern ein sehr spezielles Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Und genau darüber möchte ich heute mal nüchtern sprechen – ohne Raketen, ohne Memes, ohne Wunschdenken.


Was Short Interest wirklich aussagt

Short Interest beschreibt schlicht, wie viele Aktien leerverkauft sind – meist in Prozent des Free Floats.
Ein Wert von 20 %, 30 % oder mehr klingt erst mal spektakulär.

Aber:
Ein hoher Short Interest allein bedeutet nur eins – viele Marktteilnehmer glauben, dass der Kurs fallen wird.
Nicht mehr.
Nicht weniger.

Es sagt nichts darüber aus, wann oder ob sie gezwungen werden, ihre Positionen zu schließen.


Der größte Irrtum: „Shorts müssen zurückkaufen“

Ja, irgendwann müssen Shorts eindecken.
Aber irgendwann kann Wochen, Monate oder sogar Jahre bedeuten.

Viele Shorts sind abgesichert:
– durch Optionen
– durch andere Long-Positionen
– durch Kapitalreserven
– durch Zeit

Ich habe gelernt: Nur weil eine Position theoretisch unter Druck steht, heißt das nicht, dass sie praktisch unter Druck steht.


Was einen echten Short Squeeze auslöst

Ein Short Squeeze braucht einen Katalysator.
Nicht Hoffnung. Nicht Reddit-Posts. Nicht Memes allein.

Typische Auslöser sind:
– unerwartet starke Earnings
– fundamentale Trendwende
– regulatorische News
– massive Volumenanstiege
– plötzliche Verknappung der verfügbaren Aktien

Erst wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen, geraten Shorts wirklich in Zugzwang.

GameStop war kein Zufall.
Es war ein perfekter Sturm.


Volumen schlägt Short Interest

Einer meiner wichtigsten Learnings:
Volumen ist oft wichtiger als Short Interest.
Wenn das Handelsvolumen explodiert und gleichzeitig die Liquidität austrocknet, wird es gefährlich – für alle, die gegen die Aktie wetten.
Ohne Volumen bleibt selbst ein hoher Short Interest zahnlos.
Ich habe unzählige Aktien gesehen, die monatelang „High Short Interest“ hatten – und trotzdem einfach seitwärts liefen oder weiter fielen.


Warum viele „Squeeze-Plays“ scheitern

WSB lebt von Erwartungen.
Aber Märkte leben von Mechanik.

Viele sogenannte Squeeze-Plays scheitern, weil:
– der Einstieg zu spät kommt
– das Volumen nicht nachhaltig ist
– die Story nur auf Reddit existiert
– Shorts längst angepasst oder reduziert haben

Das Ergebnis kennt jeder:
Hype → Spike → Abverkauf → Frustposts.


Short Squeeze ist kein Wunschkonzert

Heute schaue ich anders auf solche Trades.
Ich frage nicht mehr:
„Wie hoch ist das Short Interest?“

Sondern:
– Wer ist short?
– Warum ist er short?
– Was könnte ihn zwingen, jetzt zu handeln?
– Gibt es echten Druck oder nur Hoffnung?

Ein Short Squeeze ist selten.
Aber genau deshalb ist er so mächtig, wenn er wirklich passiert. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis:
Nicht jeder rote Balken ist dein Feind –
und nicht jeder hohe Short Interest dein Freund.