Liquidität trocknet aus: Warum der Markt plötzlich zäh wird – und warum genau das gefährlich ist

Veröffentlicht am 6. Februar 2026 | WSB Blog

Leute, der Markt fühlt sich aktuell seltsam an. Nicht schwach. Nicht stark. Sondern… zäh. Orders brauchen länger, Bewegungen wirken müde, Breakouts verlaufen im Sand. Viele schieben das auf „Sommerloch“, andere auf fehlende News. Ich glaube: Das greift zu kurz.
Was wir gerade sehen, ist schwindende Liquidität. Und das ist einer der unterschätztesten Risikofaktoren überhaupt.


Was ich aktuell konkret beobachte

Ein paar Dinge fallen mir in den letzten Tagen extrem auf:
Bewegungen brauchen mehr Volumen, um überhaupt zu entstehen.
Kurse drehen schneller ohne klaren Grund.
Einzelne größere Orders bewegen Märkte stärker als früher.

Das sind klassische Symptome eines Marktes, in dem weniger echtes Geld aktiv ist.


Warum geringe Liquidität brandgefährlich ist

Viele denken:
„Wenn nichts passiert, ist alles ruhig.“

Falsch.

Niedrige Liquidität bedeutet:

  • Preise sind anfälliger für Schocks
  • Stops werden schneller gerissen
  • Bewegungen werden unberechenbarer

Ein Markt mit viel Liquidität schluckt schlechte News.
Ein Markt mit wenig Liquidität überreagiert.

Und genau das ist die Phase, in die wir gerade reinlaufen.


Der trügerische Effekt: Alles wirkt kontrolliert

Was es so gefährlich macht:
Es fühlt sich nicht bedrohlich an.

Keine Panik.
Keine Crash-Kerzen.
Kein Chaos.

Aber genau das ist der Punkt. Wenn Liquidität fehlt, sieht man das nicht sofort im Preis, sondern im Verhalten. Und das Verhalten schreit gerade: Vorsicht.


Warum das Trader in falsche Sicherheit wiegt

Ich sehe aktuell viele Fehler, die aus dieser Ruhe entstehen:

Positionen werden größer, „weil ja nichts passiert“.
Stops werden weiter gesetzt, „weil es eh seitwärts läuft“.
Trades werden gehalten, obwohl sie nichts tun.

Das funktioniert so lange, bis es nicht mehr funktioniert.
Und dann geht alles sehr schnell.


Wer zuerst leidet, wenn Liquidität fehlt

Besonders anfällig sind:

  • Nebenwerte
  • Small Caps
  • High-Beta-Aktien
  • alles, was nur mit Volumen funktioniert

Wenn dort plötzlich Verkaufsdruck kommt, gibt es keine Käufer. Dann entstehen diese hässlichen, schnellen Drops, bei denen man sich fragt: Wo kam das jetzt her?

Antwort: aus fehlender Liquidität.


Meine Trading-Anpassung in dieser Phase

Ich habe mein Verhalten klar angepasst:

Ich trade weniger, nicht mehr.
Ich gehe schneller raus, wenn ein Trade nicht zündet.
Ich meide Titel, die nur mit Momentum funktionieren.

Und ganz wichtig:
Ich akzeptiere, dass Nicht-Traden gerade oft der beste Trade ist.


Der Denkfehler, den ich überall lese

Viele sagen:
„Der Markt sammelt Kraft.“
„Das ist nur eine Pause.“
„Der nächste Move kommt sicher.“

Vielleicht.

Aber der Markt schuldet uns keinen Move.
Und niedrige Liquidität ist kein Sprungbrett — sie ist ein Brandbeschleuniger, wenn etwas schiefgeht.


Warum das auch für die nächsten Wochen wichtig ist

Liquidität kommt nicht plötzlich zurück.
Sie baut sich langsam auf — oder verschwindet still.

Und gerade sehe ich:

  • weniger Risikoappetit
  • mehr Abwarten
  • mehr Kapital an der Seitenlinie

Das heißt nicht, dass alles fällt.
Aber es heißt, dass Fehler teurer werden.


Der Markt ist nicht kaputt.
Aber er ist dünn.

Und dünne Märkte verlangen:

  • kleinere Positionen
  • schnellere Entscheidungen
  • weniger Ego

Ich bleibe flexibel.
Ich zwinge keine Trades.
Und ich respektiere, dass Liquidität wichtiger ist als jede Story.