Margin Pressure steigt: Warum gehebelte Positionen 2026 zum größten Risiko werden könnten

Veröffentlicht am 17. Februar 2026 | WSB Blog

Leute, es fühlt sich gerade nicht dramatisch an. Keine Crash-Headlines. Keine 5-%-Kerzen im Index. Und genau deshalb wird das Thema unterschätzt:
Margin-Druck nimmt zu.
Nicht laut. Nicht panisch. Aber strukturell. Und wenn ihr wissen wollt, wo echte Marktbewegungen entstehen – dann schaut nicht auf Kurse. Schaut auf Hebel.


Was ich aktuell beobachte

In den letzten Wochen sehe ich:

  • mehr schnelle Liquidationen in Einzelwerten
  • stärkere Intraday-Spikes ohne News
  • Moves, die sich nach „Zwang“ anfühlen, nicht nach Überzeugung

Das sind typische Signale, wenn gehebelte Positionen anfangen, Probleme zu bekommen.

Nicht weil alles fällt.
Sondern weil Volatilität + Leverage = Stress.


Warum das jetzt gefährlicher ist als noch vor einem Jahr

Vor einiger Zeit war Liquidität üppig.
Volatilität war niedrig.
Hebel fühlte sich sicher an.

Jetzt haben wir:

  • höhere Finanzierungskosten
  • unklare Zins-Perspektiven
  • dünnere Liquidität
  • wacklige Breakouts

Das ist keine ideale Umgebung für aggressive Margin-Strategien.

Und der Markt braucht nur ein paar größere Positionen, die unter Druck geraten, um Kettenreaktionen auszulösen.


Das perfide an Margin-Druck

Margin-Probleme zeigen sich nicht sofort im Gesamtmarkt.

Sie zeigen sich zuerst in:

  • High-Beta-Aktien
  • spekulativen Small Caps
  • Meme-nahen Titeln
  • Krypto-nahen Plays

Und erst später – wenn Liquidationen sich ausbreiten – greifen sie auf Indizes über.

Die meisten erkennen das erst, wenn es schon sichtbar ist.


Warum gerade Retail besonders gefährdet ist

Ich sehe in Foren und Social Media wieder mehr:

„All-in mit 3x Hebel.“
„Der Dip wird safe gekauft.“
„Stop brauche ich nicht, ich halte das aus.“

Das funktioniert…
bis es nicht mehr funktioniert.

Margin verzeiht keine Geduld.
Margin zwingt Entscheidungen.

Und Zwangsentscheidungen sind nie gut bezahlt.


Die Rolle der Zinsen

Solange Finanzierung billig ist, ist Hebel angenehm.
Wenn Finanzierung teurer wird, ist Hebel ein Risiko-Faktor.

Und genau da stehen wir gerade.

Die Märkte spekulieren zwar auf Lockerung, aber die Realität ist:
Geld ist nicht mehr kostenlos.

Und das verändert das Verhalten großer wie kleiner Marktteilnehmer.


Mein persönlicher Umgang mit Hebel aktuell

Ich halte es simpel:

  • Weniger Hebel.
  • Kürzere Haltedauer.
  • Keine Überzeugungs-Trades mit Kredit.

Wenn ich einen Trade nicht ohne Hebel nehmen würde, nehme ich ihn gar nicht.

Das klingt konservativ.
Ist aber in dieser Phase überlebenswichtig.


Das größte Missverständnis

Viele glauben:
„Margin-Probleme sieht man sofort im Chart.“
Nein.

Man sieht sie im Charakter der Bewegung.
Unsaubere Kerzen.
Überreaktionen ohne News.
Spikes, die sofort wieder verkauft werden.

Das sind oft keine Meinungswechsel.
Das sind Liquidationen.


Der Markt ist nicht kurz vor dem Kollaps.
Aber er ist empfindlicher gegenüber Hebel als viele denken.

Margin ist kein Problem –
bis sie eines wird.

Ich halte Risiko kleiner.
Ich vermeide Zwangssituationen.
Und ich bleibe liquide genug, um reagieren zu können.