Zinsangst 2.0? Warum der Markt plötzlich wieder Respekt vor Anleihen bekommt – und Aktien nervös reagieren

Veröffentlicht am 8. Januar 2026 | WSB Blog

Leute, ich sag’s direkt: Der Markt wirkt gerade unruhig, nicht panisch – aber angespannt. Und das hat einen Grund, den viele Retail-Trader unterschätzen: Anleihen sind zurück im Spiel. Nicht als langweiliges Beiprodukt, sondern als echte Alternative. Und das verändert gerade mehr, als man auf den ersten Blick sieht.


Was gerade kippt – leise, aber spürbar

In den letzten Tagen sehe ich ein Muster, das ich sehr ernst nehme:
Renditen steigen nicht explosiv, aber beharrlich.
Aktien reagieren nicht mehr euphorisch auf gute News.
Gute Daten werden verkauft, schlechte Daten sorgen sofort für Stress. Das ist kein Zufall. Das ist ein Markt, der wieder Preise vergleicht.


Warum Anleihen plötzlich wieder gefährlich für Aktien sind

Ganz einfach gesagt:
Wenn sichere Renditen wieder attraktiv werden, müssen Aktien liefern, nicht nur erzählen.

Lange Zeit war es so:
„There is no alternative“ – also rein in Aktien, egal wie teuer.

Jetzt ändert sich das:
Wenn ich als großer Investor 4–5 % halbwegs sicher bekomme, dann muss eine Aktie schon wirklich überzeugen, um mein Geld zu verdienen.

Und genau das setzt Aktien unter Druck. Nicht durch Panik, sondern durch Anspruch.


Das sieht man im Chart – und im Verhalten

Was mir aktuell auffällt:
Breakouts funktionieren schlechter.
Pullbacks werden tiefer.
Erholungen werden schneller abverkauft.

Das ist typisch für Phasen, in denen Kapital selektiv wird. Nicht alles wird verkauft, aber auch nicht mehr alles gekauft.
Und das ist gefährlich für Trader, die denken:
„Der Markt kommt schon zurück.“
Manchmal kommt er nicht. Manchmal geht er einfach seitwärts und frisst Zeit.


Wer gerade leidet – und warum

Besonders anfällig sehe ich aktuell:

Wachstumsaktien mit dünnen Gewinnen.
Story-Plays ohne Cashflow.
Alles, was auf „Zukunft“ bewertet ist, aber heute nichts verdient.

Das heißt nicht, dass diese Aktien crashen müssen. Aber sie werden unberechenbarer. Und Unberechenbarkeit ist Gift für große Positionen.


Wer gerade besser durchkommt

Gleichzeitig sieht man Stabilität bei:

Substanzwerten mit Cashflow
Dividendenstarken Titeln
Unternehmen, die von höheren Zinsen nicht direkt zerstört werden

Das ist klassische Rotation, aber nicht aggressiv. Eher defensiv-intelligent.


Meine Trading-Anpassung (wichtig!)

Ich hab mein Verhalten angepasst, und das rate ich jedem:
Ich trade kleiner.
Ich nehme Gewinne schneller.
Ich bleibe nicht in Trades, die nicht sofort funktionieren.

Früher war Geduld ein Vorteil.
Jetzt ist Reaktionsfähigkeit der Vorteil.
Wenn ein Trade nicht läuft, ist das kein Zeichen von „der Markt versteht mich nicht“, sondern oft ein Zeichen von: falsches Timing.


Das größte Risiko gerade: falsche Sicherheit

Was ich überall lese:
„Ist doch alles eingepreist.“
„Zinsen werden schon wieder fallen.“
„Der Markt übertreibt.“

Mag sein. Aber der Markt bezahlt keine Meinungen, sondern Positionierung.

Und gerade ist der Markt so positioniert, dass Fehler schneller bestraft werden als früher.


Wir sind nicht im Crash-Modus.
Aber wir sind auch nicht mehr im Wohlfühl-Markt.
Das hier ist eine Phase, in der Disziplin wichtiger ist als Mut.
In der Cash eine Position ist.
Und in der Geduld bedeutet, auf gute Trades zu warten – nicht schlechte auszuhalten.