ADR-Gebühr ohne Dividende: Welche Buchung ich vor dem nächsten Trade prüfe
Keine Dividende erhalten und trotzdem eine ADR-Gebühr auf dem Verrechnungskonto? Das würde ich zuerst als Anlass nehmen, die Buchung sauber zuzuordnen. Eine fehlende Ausschüttung beweist noch nicht, dass eine solche Belastung falsch ist. Ebenso wenig würde ich jede Zeile mit einem englischen Gebührennamen ungeprüft akzeptieren.
Ich trenne dafür zwei Fragen: Welcher Mechanismus kann hinter der Buchung stecken, und passt die konkrete Abrechnung zu meinem Wertpapier? Erst die zweite Frage entscheidet, ob ich beim Broker etwas reklamieren muss. Aus einer allgemeinen Erklärung lässt sich kein beliebiger Betrag für jedes ADR ableiten.
Warum die Gebühr nicht zwingend an eine Dividende gebunden ist
Bei einem ADR steht eine Hinterlegungsstruktur zwischen dem Anleger und den zugrunde liegenden Aktien. Die entsprechende Depotbank kann nach den Bedingungen des Programms Gebühren für ihre Dienstleistungen erheben. Solche Kosten können von einer Ausschüttung abgezogen werden. Es gibt aber auch Programme ohne regelmäßige Dividenden, bei denen Gebühren über die beteiligten Banken und Broker an Kunden weitergereicht werden.
Damit ist eine separate Kontobelastung grundsätzlich erklärbar. Ob sie in meinem Fall zulässig und richtig berechnet ist, würde ich im jeweiligen Hinterlegungsvertrag und in den einschlägigen Brokerunterlagen prüfen. Eine allgemeine Übersicht aus dem Internet ersetzt diese Unterlagen nicht. Insbesondere würde ich keine ältere Beispielgebühr als heute gültigen Einheitspreis verwenden.
Wertpapierkennung vor Unternehmensname
Mein erster Abgleich betrifft die genaue Position. Ich suche Wertpapierkennung, vollständige Bezeichnung und die Stückzahl zum genannten Stichtag heraus. Nur nach dem Unternehmensnamen zu suchen, wäre mir zu ungenau. Ein Unternehmen kann in unterschiedlichen Wertpapierformen handelbar sein. Für die Kostenprüfung brauche ich das tatsächlich gehaltene Instrument.
Meine kleine Tabelle zur Kontobuchung
Ich würde Buchungstag, angegebenen Gebührenstichtag, belastete Währung und Betrag nebeneinander notieren. Dazu kommen die in der Abrechnung verwendete Stückzahl und eine eventuell ausgewiesene Umrechnung. So lässt sich eine Rückfrage später konkret stellen. Wenn die Abrechnung keinen Stichtag nennt, wäre genau das eine meiner ersten Fragen an den Broker.
Ein fiktives Beispiel macht den Unterschied deutlich: Eine Belastung von 9 US-Dollar bei 300 berücksichtigten ADRs entspricht rechnerisch 0,03 US-Dollar je Stück. Diese Zahlen sind keine Marktangabe. Sie dienen nur dazu, den Rechenschritt zu zeigen. Anschließend müsste geprüft werden, ob gerade dieser Gebührensatz und gerade diese Stückzahl für das betreffende Programm und Ereignis stimmen.
Nach einem Verkauf bleibt die Zuordnung wichtig
Dass eine Position inzwischen verkauft wurde, würde ich nicht als alleinigen Gegenbeweis verwenden. Ich möchte wissen, auf welchen Bestand und welchen Zeitpunkt sich die Belastung bezieht. Der Buchungstag und der für die Abrechnung maßgebliche Termin müssen nicht dieselbe Funktion haben. Ohne diese Angaben würde ich weder eine korrekte Abrechnung bestätigen noch dem Broker einen Fehler unterstellen.
Was ich schriftlich nachfragen würde
Meine Nachricht an den Broker wäre kurz: Bitte das betroffene ADR-Programm, die Gebührenart, die Berechnungsgrundlage, den maßgeblichen Stichtag und die verwendete Stückzahl nennen. Bei einer Umrechnung würde ich zusätzlich nach dem angewendeten Kurs und gesonderten Kosten fragen. Das ist hilfreicher als eine pauschale Beschwerde über eine unbekannte Depotgebühr.
Für die grundsätzliche Einordnung des Instruments hilft ergänzend mein Beitrag zum Bezugsverhältnis zwischen ADR und Originalaktie. Dort geht es um den Kursvergleich. Hier schaue ich auf die Abrechnung, denn ein optisch niedriger Kurs sagt nichts darüber aus, welche Gebührenstruktur das Wertpapier mitbringt.
Vor einem weiteren Kauf würde ich die geklärten Angaben in meiner eigenen Kostenübersicht ergänzen. Nicht als Vorhersage jeder künftigen Belastung, sondern als dokumentierten Prüfstand mit Datum. Wenn du gerade eine ADR-Gebühr ohne Dividende siehst, sichere zuerst die Abrechnung und ordne sie der richtigen Position zu. Ein schneller zusätzlicher Trade löst eine unklare Buchung jedenfalls nicht.