US-Arbeitsmarktbericht am 6. November: Welche drei Zahlen ich zuerst lese

Veröffentlicht am 1. November 2026 | WSB Blog

Am Freitag, dem 6. November 2026, soll das US-Bureau of Labor Statistics den Arbeitsmarktbericht für Oktober veröffentlichen. Der Termin ist für 8:30 Uhr Eastern Time angesetzt. Aus deutscher Sicht fällt die Veröffentlichung nach der Zeitumstellung auf 14:30 Uhr MEZ. Vor solchen Terminen sehe ich im Trading oft eine einzelne Zahl im Mittelpunkt. Ich lese den Bericht lieber als Paket: Beschäftigungszuwachs, Arbeitslosenquote, Löhne und spätere Revisionen erzählen nicht immer dieselbe Geschichte.

Was beim Oktober-Bericht bereits feststeht

Der September-Bericht ist der letzte veröffentlichte Monatswert. Damals meldete das BLS einen Zuwachs von 29.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft und eine Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent und lagen 3,0 Prozent über dem Vorjahreswert. Außerdem wurden die zuvor gemeldeten Stellenzuwächse für Juli und August zusammen um 60.000 nach unten revidiert.

Das sind keine Aussagen darüber, was der Oktober-Bericht zeigen wird. Es ist der Ausgangspunkt, den ich vor dem neuen Datensatz notiere. Prognosen und tatsächliche Ergebnisse trenne ich dabei strikt voneinander.

Drei Stellen im Bericht, die ich zuerst lese

1. Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft

Die Schlagzeilenzahl zu den Nonfarm Payrolls kommt aus der Unternehmensbefragung. Sie schätzt die Veränderung der Beschäftigung nach Branchen. Für mich beantwortet sie eine wichtige Frage, aber nicht allein, ob die Konjunktur „gut“ oder „schlecht“ läuft. Ich prüfe, welche Branchen den Wert tragen und ob die Vormonate revidiert wurden. Ein kleiner Gesamtwert kann sehr unterschiedliche Bewegungen in einzelnen Bereichen verdecken.

2. Arbeitslosenquote und Erwerbsbeteiligung

Die Arbeitslosenquote stammt aus der Haushaltsbefragung und misst etwas anderes als die Zahl der Stellen aus der Unternehmensbefragung. Deshalb müssen beide Werte nicht parallel laufen. Ich schaue auch auf die Erwerbsbeteiligung und die Zahl der Personen, die arbeiten möchten, aber in der Quote nicht als arbeitslos gezählt werden. Ein einzelner Prozentwert ohne seinen Kontext führt schnell zu einer zu glatten Erzählung.

3. Stundenlöhne, Arbeitszeit und Revisionen

Beim Lohnwachstum interessiert mich nicht nur die Veränderung zum Vormonat. Ich prüfe den Vorjahresvergleich und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit mit. Lohnzuwächse bei zugleich kürzerer Arbeitszeit können anders zu lesen sein als dieselbe Lohnzahl bei steigenden Stunden. Danach gehe ich zurück zu den Revisionen: Neue Meldungen können das Bild früherer Monate spürbar verändern.

Warum ich aus einem starken Wert kein automatisches Kaufsignal mache

Der Markt reagiert nicht auf die Überschrift allein, sondern auf die Abweichung zu den Erwartungen, auf Details im Bericht und auf die Positionierung vor dem Termin. Ein kräftiger Beschäftigungswert kann als robustes Wachstum gelesen werden; in einer anderen Lage rückt womöglich die mögliche Reaktion der Geldpolitik in den Vordergrund. Daraus lässt sich keine verlässliche Richtung für eine einzelne Aktie oder einen Index ableiten.

Ich versuche deshalb, nicht zuerst einen Trade zu erfinden und dann die Daten passend zu lesen. Vor 14:30 Uhr kläre ich, welches maximale Verlustrisiko ich akzeptiere, ob ein enger Stop bei der aktuellen Volatilität überhaupt sinnvoll wäre und ob ich während der Veröffentlichung lieber gar keine Position eröffne. Nach einer überraschenden Zahl können Spreads und Kurssprünge größer sein; eine Order wird nicht automatisch zu meinem Wunschpreis ausgeführt.

Meine kurze Checkliste für „Jobs Friday“

  • Berichtsmonat und Veröffentlichungszeit im Kalender prüfen.
  • Vorab-Erwartungen von den später tatsächlich gemeldeten Werten unterscheiden.
  • Payrolls, Arbeitslosenquote, Erwerbsbeteiligung, Löhne, Wochenstunden und Revisionen zusammen ansehen.
  • Positionsgröße und maximalen Verlust vor dem Termin festlegen.
  • Keine Marktreaktion aus nur einer Zahl oder aus einer Schlagzeile ableiten.

Auch beim nächsten Fed-Termin hilft mir diese Trennung von Daten und Interpretation. In meinem Beitrag zum Fed-Protokoll am 18. November beschreibe ich, wie ich ein Sitzungsprotokoll von einem neuen Zinsentscheid unterscheide.

Mein Fazit: Der US-Arbeitsmarktbericht am 6. November ist ein planbarer Daten-Termin, aber kein fertiges Handelssignal. Ich lese Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Löhne und Revisionen gemeinsam – und entscheide vor dem Event, welches Risiko ich überhaupt eingehen möchte.